Ein persönlicher Bericht zur Corona-Pandemie

Böse Überraschung - gute Überraschung? 

Anfang/Mitte März 2020… noch waren die meisten Menschen etwas unbekümmert über das Corona-Virus. Und es schien irgendwie weit weg. Noch keine Corona-Regeln, nichts war verboten. Als Beate und ich erkrankten, war sich der Arzt „sicher“: es ist die normale Grippe, die eben in dieser Zeit auftritt. „Corona-Test? Nicht nötig, ich weiß von keinem Fall in der Gegend!“ sagte der Doktor, zu dem wir uns hingeschleppt hatten. Wir hatten (scheinbar) ja keine Kontakte zu Infizierten, waren nicht in Ischgl oder an einem anderen Hotspot. Also kein Test!


So haben wir über zwei Wochen im Bett verbracht, insgesamt fast 6 Wochen gebraucht, um wieder voll bei Kräften zu sein. Dann nehmen wir zur Kenntnis, dass in unserer Gemeinde zumindest eine Person „positiv“ auf Corona getestet wurde, vielleicht selbst in der Gemeinde angesteckt, und sie hatte auch wieder Kontakt zu anderen Leuten aus der Gemeinde. Sie musste ins Krankenhaus wegen „mörderischen“ Kopfschmerzen … erst viel später (!) aber „durfte“ sie getestet werden:  sie hatte (!) COVID-19. Dann Wochen später lässt meine Frau Beate sich testen, auf Drängen unserer Kinder: positiv, COVID-19-Antikörper. Vermutlich von mir angesteckt. Debora hat seit Wochen den Geruchssinn verloren. Schließlich getestet: positiv.


Zu folgern ist aus verschiedenen Indizien: wir haben uns in unserer Gemeinde angesteckt. Gut, dass wir in der Gemeinde gleich am Anfang Konsequenzen gezogen und alle gebotene Vorsicht haben walten lassen, als die Regierung entsprechende Regeln erlassen hat. Es ist ein schrecklich schlechtes „Zeugnis“, dass weltweit viele christliche Gemeinden dies unterlassen hatten und dadurch zu „Hotspots“ wurden, auch in Deutschland. Soweit die böse Überraschung. Klar, die gute ist für uns persönlich: „Wir sind durch!“ Nach Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse sind wir zumindest in diesem restlichen Jahr mit 99%iger Wahrscheinlichkeit nicht mehr ansteckend und können auch nicht mehr an COVID-19 erkranken. Das ist ein wunderbares Gefühl und wir sind sehr, sehr dankbar. Vor allem weil Beate das als Risikopatientin überstanden hat. Aber einfach war es wirklich nicht. Sie hatte die Not-Einweisung ins Krankenhaus schon vorsichtshalber auf dem Nachttisch. Ihre Herzfrequenz lag über Tage zwischen 140 und 145.


Ich schreibe das so persönlich deutlich, damit wir in den Gemeinden nicht nachlassen, verantwortungsvoll und vorsichtig zu sein. Es hat mich gelehrt: das Virus kommt aus Ecken, die wir nicht vermuten. Und der Maßstab sind nicht die Vielen, die es leicht überstehen, sondern die Menschen der (Hoch-)Risikogruppen. Je mehr leichte Fälle, desto mehr unbemerkte Verbreitung, desto mehr Schwerverläufe und Todesfälle durch Ansteckung. Es scheint aber auch klar zu sein: halten wir die Regeln ein, ist das Risiko eher minimal. Deshalb befürworten wir die „reduzierten“ Gottesdienste bei uns.


Zuletzt: Weil durch eine „Anti-Corona-Bewegung“ immer mehr Unsicherheit herrscht, „ob nicht alles übertrieben sei“, lasst mich den Unterschied von COVID-19 zu einer „normalen“ Grippe markieren:

  • Die Infektionsfähigkeit ist nachweislich deutlich größer als bei einer normaler Influenza. (Grippe)
  • Influenza hat fast immer deutliche Symptome, so dass die Infizierten zuhause und krank im Bett sind. Bei COVID-19 haben 4 von 5 (!) Infizierten keine oder sehr schwache Symptome, werden aber dann z.T. zu „Infektionsschleudern“, ohne es zu wissen.
  • Die Verbreitung des Virus durch viele Infizierten ohne Symptome ist viel größer und schneller und eben zunächst nicht erkennbar.
  • Gegen die Influenza, die „gängigen Grippen“ gibt es Impfstoff. Dadurch kann eine unkontrollierte Ausbreitung blockiert werden. Für COVID-19 gibt es erst „irgendwann“ einen Impfstoff, bis dahin sind die Menschen der Infektion „ausgeliefert“.  (Gegen Grippe ist Beate jährlich geimpft und hat sich nie angesteckt.)
  • Je mehr „unproblematisch“ Infizierte es gibt, desto mehr gefährdete Risikoleute werden natürlich durch sie früher oder später angesteckt und müssen „auf Intensiv“ oder sterben gar.
  • Nur durch die strikte Eindämmung der Verbreitung durch die offiziellen Regeln wurde in Deutschland verhindert, dass über die Maßen viele Risikopatienten betroffen wurden. (Unsere Tochter Natanja lebt teilzeitlich in London und berichtet uns über die katastrophalen Zustände dort, nicht zuletzt, weil der Regierungschef  zu lange überzeugt war, „es sei alles übertrieben.“ )

Wir danken Gott, dass in unserer Gemeinde und Umgebung bisher alles glimpflich abging und beten, dass es so bleibt - und auch in anderen Gemeinden!

 

Jürgen und Beate